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Das Helgestöckli

Ein anderer Geisterspuk knüpft sich an das Bild- oder "Helgestöckli", welches oberhalb des Hauses der Dürrenburg, neben dem alten Kirchweg steht. Die Sage erzählt: Es waren einst einige verwegene, junge Burschen, die lange Zeit die Bewohner von Walchwil nächtlicher Weile durch ihre tollen Nachtbubenstückli beunruhigten und beängstigten. Wiederholt gemahnt und auch gestraft, liessen sie von ihrem wüsten Treiben doch nicht ab. Da, eines Nachts, als sie wieder beieinander waren - es sollen ihrer zwölf gewesen sein - und berieten, welche Streiche sie ausführen wollten, bemerkten sie bei ihnen einen frischen, unbekannten Burschen, einen dreizehnten. Sogleich wollten sie ihren Mutwillen an ihm ausüben. Als sie ihn aber in der Dunkelheit näher beschauten, fanden sie, dass er Bocksfüsse und Hörner hatte und einen Schwanz mit einer Quaste am Ende, der bis auf den Boden reichte. Auf einmal leuchteten seine Augen wie glühende Kohle und aus seinem Munde zischte eine Zunge , wie ein Feuerstrahl. Von Furcht und Entsetzen ergriffen, stoben die sonst so frechen Burschen alle auseinander. Jeder glaubte den lebendingen... - Gott sei bei uns - gesehen zu haben und von ihm verfolgt zu werden. Jeder stürmte ohne Rast und ohne sich um die anderen zu bekümmern, seiner Wohnung zu. Als sie von Angst gequält in ihren Kammern waren, versprach ein jeder, in Zukunft von seinem tollen Treiben abzulassen. Und als sie sich wieder einmal trafen, erzählte jeder sein Versprechen und sie liessen zum Andenken an jene angstvolle, für sie aber doch so heilsame Nacht an der Stelle, an welcher der Unbekannte gestanden, ein Helgenstöckli errichten.

Soweit die Sage. Nun die Tatsache: Ein früherer Besitzer der Dürrenburg stellte einst dieses Helgenstöckli auf die nahe Fluh in den Haselhag. Nicht aus böser Absicht, sondern, dass es bei der Arbeit weniger in den Weg komme, denn er dachte, es könne dort dem gleichen Zwecke dienen, wie in der Wiese. Nicht lange nachher wurde der Bauer ernstlich krank. Der Arzt konnte die Krankheit nicht erkennen und auch nicht heilen. Der Kranke siechte langsam dahin und jede Hoffnung auf Genesung schwand. Der Ortsgeistliche besuchte ihn öfters. Es tat ihm leid um den wackern Mann in den besten Jahren. Der Bauer war schon sehr schwach und pflegte nur noch selten etwas zu reden. Doch einmal, wie ihn der Geistliche wieder besuchte, erzählte er ihm von dem entfernten Bildstöckli. Der Geistliche, der darin keine Ursache für sein Siechtum empfand, empfahl ihm dennoch, das Bildstöckli wieder an seinen früheren Ort zurückbringen zu lassen. Der Bauer aber sagte, er wolle es selber tun, im Falle er wieder gesund werde. Und siehe, der Zustand des Kranken besserte sich bald und nach einigen Tagen war er so gekräftigt, dass er wieder umhergehen konnte und genas dann völlig. Seither steht das Bildstöckli wieder an seinem ursprünglichen Standort und wurde vor Jahren renoviert.

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